Sommerliches Naturschauspiel: Wollgrasblüte belegt finstere Waldmoore kurzzeitig mit silbrig-weißen Teppichen
Erfurt (hs): Derzeit verzaubert die Blüte des Scheiden-Wollgrases (Eriophorum vaginatum) in den Regenmooren des Thüringer Waldes die Waldbesuchenden. Die finsteren Waldmoore überdecken sich für kurze Zeit mit einem silbrig-weißen Blütenteppich. Die 30-50 cm hohe Charakterpflanze der heimischen Hochmoore bildet derzeit einen Fruchtstand mit typisch hellen, watteartigen Hüllfäden aus. Das Scheiden-Wollgras, auch Moorwollgras genannt, gehört zur Familie der Sauergrasgewächse und ist eine der wenigen Pflanzen, die auf den nährstoffarmen, basen- und kalkarmen, sauren Moorböden ausgezeichnet gedeihen kann. Innerhalb der flächig vorkommenden Torfmoose bildet sie neben der Moos- und Krähenbeere größere Horste aus. Das Scheiden-Wollgras unterstützt zusätzlich die Torfbildung, da ihre abgestorbenen Pflanzenbestandteile zu Fasertorf werden.
ThüringenForst jahrzehntelang im Moorschutz tätig
ThüringenForst hat sich schon in den 1990er-Jahren dem Moorschutz gewidmet. Rund 350 Moore mit einer Gesamtfläche von etwa 1.500 Hektar finden sich im Thüringer Wald. Alle größeren Regenmoore sind durch oder mit Unterstützung der Landesforstanstalt seither regeneriert worden. 2012 rekonstruierte ThüringenForst den Moorlehrpfad am Schützenbergmoor, von dem aus sich die Blüte des Scheiden-Wollgrases aus nächster Nähe betrachten lässt. Der Wollgras-Fruchtstand wurde früher als Wundwatte in der Medizin verwendet, später auch als Kissenfüllstoff. Gedreht wurden die Watteköpfe als Kerzendochte eingesetzt.
Text: ThüringenForst; Foto: Thomas Stephan

