„Y-Kollektiv“-Reportage von MDR und WDR blickt auf furchtloses Engagement gegen rechts

Deutschland droht weiter nach rechts zu rücken. Rechte und Rechtsextreme sind so stark wie nie. Die Leipziger Reporterin Claudia Euen besucht für das „Y-Kollektiv“ Menschen, die sich ihnen furchtlos entgegenstellen – selbst wenn es gefährlich wird. Wie mutig ist Deutschland? Der Film ist ab sofort in der ARD Mediathek abrufbar.


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Viele engagieren sich politisch – für die Demokratie im Superwahljahr 2024. In den Großstädten ist das meist kein Problem. Wer sich aber auf dem Land offen gegen Rechtsaußen stellt, muss mit Drohungen und Einschüchterungsversuchen rechnen. „Y“-Reporterin Claudia Euen hat für ihren Film Menschen begleitet, die für ihre Haltung viel riskieren, wie Ocean Hale.

Ocean kämpft auf dem Land in Sachsen gegen rechts. Anders als in den großen Städten Dresden und Leipzig sind die Demonstrationen für ein tolerantes und weltoffenes Deutschland und gegen rechtes Gedankengut in seiner Gegend überschaubar klein. Die Mehrheit der Menschen marschiert hier entweder offen auf der Gegenseite oder hält sich mit politischen Äußerungen zurück. Ocean zeigt trotzdem Gesicht und entwickelt kreative Ideen gegen die Montagsdemos von AfD und Freien Sachsen. Er hat schon zwei CSDs in der Kleinstadt Waldheim organisiert und lässt sich auch durch Morddrohungen und Buttersäureanschläge nicht davon abbringen: „Es gibt Drohungen gegen uns, dass wir eines Morgens nicht mehr aufwachen oder nicht mehr nach Hause kommen.“ Das lässt ihn nicht kalt, aber einschüchtern will er sich auch nicht lassen.


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Magdalena hat die Initiative #ReclaimTikTok gestartet. Gemeinsam mit anderen dreht sie so viel Content wie möglich, alles unter dem Label: tolerant und antifaschistisch. Auch der rechtsextreme Aktivist Martin Sellner ist bereits auf die Kampagne aufmerksam geworden. Seitdem ihr Klarname auf verschiedenen rechten Social-Media-Kanälen geteilt wurde, muss Magdalena auch im Alltag vorsichtiger sein.

Richtig nah ran traut sich Jacob. Er ist unabhängiger Blogger und Fotograf im thüringischen Gera. Er berichtet auch mitten aus der Menge, wenn Reichsbürger aus ganz Deutschland in seiner Stadt demonstrieren: „Ich selbst bin auf den Demos eher von älteren Leuten angegangen worden, nicht von jungen, die nach Action aussehen.“

Jacob hat auch den Eindruck, dass viele von den regelmäßigen Demonstrationen von Rechtsaußen in Gera genervt sind. Doch der Gegenprotest ist bislang auch hier überschaubar. So lange das so ist, will er dokumentieren und informieren, damit immer mehr Leute erfahren, wer hier in seiner Stadt auf die Straße geht.

Ocean, Magdalena, Jacob – sie alle gehen persönliche Risiken ein, opfern Freizeit und ihre Anonymität, um für eine weltoffene Gesellschaft einzustehen. Was treibt sie an? Woher nehmen sie ihren Mut, wenn es riskant wird?

Die „Y-Kollektiv“-Reportage „Furchtlos gegen rechts“ ist eine Ko-Produktion von WDR und MDR. Produziert wurde der Film von Sendefähig. Die Redaktion hatten Lena Brochhagen (WDR) und Christine Färber (MDR).

„Y-Kollektiv“ ist das junge ARD-Format für Reportagen mit transparenter und selbstkritischer Haltung sowie Tiefgang. Die Reporterinnen und Reporter tauchen mit neuen Blickwinkeln in Lebenswelten von Menschen ein. Dabei liegt der Fokus auf transparenter Recherche, teilnehmender Beobachtung und dem Kennenlernen auf Augenhöhe.

Text: MDR;  Foto: MDR/Aaron Karasek