Naturverjüngung oder Forstkultur?

Die Schadflächensanierung in den heimischen Wäldern ist voll im Gange. Über das „Wie“ muss auf jeder Einzelfläche sorgsam abgewogen werden

Die ThüringenForst-AöR steckt derzeit nicht nur in der Sanierung von Borkenkäferbefall, sondern auch in der Sanierung von Schadflächen. Es gilt, landesweit über 86.000 Hektar mehr oder weniger verlichtete Waldbereiche zu klimastabilen und anpassungsfähigen Wäldern zu entwickeln. Davon rund die Hälfte in Verantwortung der Landesforstanstalt. Dort setze man, wo immer möglich, auf die Naturverjüngung, doch macht die Schädigung vieler Bestände eine gezielte Aufforstung nötig. Jahr für Jahr pflanzen die Forstleute hierzu etwa zwei Millionen Jungbäume. Wann bei der Wiederbewaldung auf die natürlichen Reproduktionskräfte der heimischen Wälder gesetzt werden kann, und wann eine aufwendige Bepflanzung erforderlich ist, stellt sich als komplizierter Entscheidungsprozess dar.


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Naturverjüngung oder Forstkultur?

„Naturverjüngung oder Forstkultur – auf diesen einfachen Nenner lässt sich die Wiederbewaldung von klimawandelbedingten Schadflächen nicht reduzieren. Die Herausforderung „Klimawandel“ verlangt nach komplexen Lösungen“, erläutert Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Eichen, Buchen, Ahorne, Winterlinden, Elsbeeren, Wildkirschen, Weiß-Tannen oder Kiefer – insgesamt 35 verschiedene heimische Baumarten stehen für die Wiederbewaldung zur Verfügung. Hinzu kommen nichtheimische Baumarten wie Douglasie, Küsten-Tanne, Schwarznuss, Robinie oder Schwarzkiefer, die in geringen Anteilen auf Sonderstandorten berücksichtigt werden können. Die sorgfältige Auswahl von vier bis sechs Baumarten am konkreten Standort ist Ausgangslage für die Begründung klimastabiler Mischwälder. Sind die Baumarten schon vorhanden, etwa im Nachbarbestand, dann setzt in der Regel der Waldbesitzer auf Naturverjüngung – was auch das kostengünstigste Wiederbewaldungsverfahren ist. Abwarten und aufmerksam beobachten, was die Natur macht, gegebenenfalls ist ein Zaunschutz vor Rehwild erforderlich. Nach etwa zehn Jahren kann mit der ersten Pflege und Mischungsregulierung begonnen werden.

Eine völlig andere Situation ergibt sich, sollten die Nachbarbestände reine Fichtenwälder sein. „Wer hier auf Naturverjüngung wartet, wird erneut eine nahezu fichtenreine Naturverjüngung entstehen lassen“, so Gebhardt. Schon die Altvorderen wussten: „Auf Fichte folgt Fichte!“. Hier wird dem Waldbesitzer nichts anderes übrigbleiben, und zur Pflanzung, auf ganzer oder auf einer Teilfläche, übergehen müssen, um klimastabile Baumarten in guter Mischung zu erhalten. Wo keine samentragenden Eichen, Buchen oder Ahorne in der Nähe sind, können derartige Baumarten auch nicht „übernommen“ werden. Was noch hinzu kommt: Nicht jede Baumart wächst auf Freifläche, manche Baumarten brauchen gerade in den Jugendjahren Schatten. Hier muss der Waldbesitzer ggf. mit einem Vorwald aus Pionierbaumarten wie Birke, Weide oder Pappel arbeiten, in dessen Schutz sodann später schattenliebende Baumarten gepflanzt werden. Vorwälder entstehen oft aus Saat, neben Naturverjüngung und Pflanzung, das dritte Wiederbewaldungsverfahren.


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Die Wiederbewaldung von Schadflächen erfordert folglich forstlichen Sachverstand. Ein einfaches „Die Natur wird’s schon machen“ genügt in vielen Fällen nicht, wenn man artenreiche, klimastabile und strukturreiche Mischwälder zum Ziel hat. Das Gute für den Waldbesitzer: Die 24 Thüringer Forstämter stehen mit ihren Fachleuten für Beratungen kostenlos zur Verfügung, ebenso hat die Landesregierung jüngst ein umfangreiches Fördermittelprogramm bis 2025 verlängert.

Text: Dr. Horst Sproßmann; Foto: ThüringenForst