Eiche fit für den Klimawandel

Die Eiche ist eine wichtige Klimabaumart, weil sie Trockenheit toleriert. Das gilt vor allem für eine der drei in den heimischen Wäldern vertretenen, forstlich wichtigen Eichenarten


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Die Eiche ist ein Hoffnungsträger, wenn es um klimastabile Mischwälder der Zukunft geht. Forstexperten sind sich einig, dass deshalb ihr Anteil in Thüringen in den nächsten Jahrzehnten deutlich ansteigen wird. Während der Eichenanteil an den Waldbaumarten bundesweit bei gut zehn Prozent liegt, ist er in Thüringen derzeit bei knapp sieben Prozent. Unter dem Begriff Eiche werden im Freistaat zwei europäische Eichenarten verstanden: Die Stieleiche und die Traubeneiche. Eine dritte Art, die seltenere Roteiche, wurde durch den Menschen um 1750 aus Nordostamerika nach Deutschland eingeführt. Das Reliktvorkommen der Flaumeiche im thüringischen Saaletal hat bisher keine forstliche Relevanz. Ein Blick nach Österreich zeigt: In der Naturausstattung der Wälder finden sich dort neben der Stiel- und Traubeneiche zusätzlich die Flaum- und Zerreiche, alle in forstlicher Bewirtschaftung.

Nur die Traubeneiche ist trockenheitstolerant

Von den drei in Thüringens Wäldern nebeneinander vorkommenden, bewirtschafteten Eichenarten toleriert vor allem die Traubeneiche Trockenheit am besten und kommt mit wärmeren und niederschlags- und nährstoffärmeren Standorten zurecht. „Die Traubeneiche ist deshalb ein Hoffnungsträger im Klimawandel, auch wenn sie waldbaulich anspruchsvoll ist“, erläutert Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Stiel- wie Traubeneichen brauchen nämlich viel Licht, im Schatten werden sie schnell von weniger lichtbedürftigen Baumarten wie der Buche aber auch der Fichte verdrängt. Deshalb bedarf sie einer steten Freistellung schon kurz nach der Pflanzung. Die Stieleiche ist, im Gegensatz zur Traubeneiche, ein Favorit auf Nassstandorten. Sie erträgt dort wechselnde Wasserstände, von zeitweisen Überflutungen bis zu temporären Dürrephasen. So teilen sich die beiden heimischen Eichenarten die Waldstandorte in Thüringen untereinander auf, wobei die Traubeneiche flächenanteilig überwiegt.


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Die Roteiche ist ein Newcomer

Die nordostamerikanische Roteiche scheint weniger resistent gegenüber Extremen, wie dauerhaft feuchte Standorte oder Trockenheit zu sein, auf denen die Stieleiche noch zurechtkommt. Dafür ist die Roteiche durch ihre Schattenverträglichkeit waldbaulich einfacher zu behandeln. Forstexperten schätzen ein, dass die Roteiche durch die Bevorzugung mäßig-frischer bis frischer Standorte eingeschränkt als Klimabaumart geeignet ist. Größeres Interesse weckt dagegen die natürliche Eichenausstattung der Österreicher: Sowohl Zerr- wie auch Flaumeiche sind an ein warmtrockenes Klima angepasst. Speziell die Zerreiche erträgt auch Winterkälte und Fröste bis -20° C, wie sie in diesem Winter in Thüringen schon aufgetreten sind. Allerdings ist die Holzqualität nicht ansatzweise mit den heimischen Eichen, selbst nicht mit der Roteiche vergleichbar. Weder das Holz der Flaum- noch der Zerreichen sind im Konstruktionsbereich einsetzbar.

„Die europäischen Eichenarten bieten, neben anderen Baumarten, folglich ein interessantes Spektrum, um dem Ziel klimastabiler Mischwälder näher zu kommen“, so Gebhardt abschließend.

Text: Horst Sprossman; Foto: Andreas Knoll