Die Knospenruhe endet mit dem beginnenden Frühjahr

Licht, Wärme und Wasser lassen in den nächsten Wochen die heimischen Wälder erblühen


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Die ersten Vorfrühlingstage zeigen sich dieses Jahr schon Mitte Februar. Die über den Winter durch dicke Schuppen und einem Harzgemisch geschützte Baumknospen werden dann durch Licht, Wärme und Wasser erweckt. Erste Waldbäume beginnen zu wachsen. Hinter diesem faszinierenden Prozess verbirgt sich das Geheimnis des Lebens.

Eine Knospe dient dem winterlichen Schutz des zarten Sprosses

Knospen gibt es so viele verschiedene, wie es Bäume gibt. Forstleute und auch viele Naturfreunde können einen Baum allein aufgrund seiner Knospen identifizieren, auch ohne die typischen Merkmale wie Blatt, Nadel oder Rinde. Neben Größe, Form und Farbe spielt auch die gegenseitige Anordnung der Knospen am Trieb eine wichtige Rolle. Rund 70 Baumarten finden sich in Thüringens Wäldern, wovon etwa 30 forstlich genutzt werden. Schon im Herbst werden die Knospen in den Trieben dieser Bäume für das Folgejahr vorbereitet. Wegen eingeschränkter Photosynthese kann der Baum im Winter keine Knospen bilden, weshalb er früh mit dieser energiezehrenden Arbeit beginnt. Knospen haben am Baum die Aufgabe, über die kalte Jahreszeit die empfindlichen Triebe zu schützen. Im Frühjahr platzen die Knospen dann auf und geben den zarten Spross frei, der das Baumwachstum verursacht.


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Knospen sind vielfältig und robust, aber nicht unverwüstlich

Knospen sind dicht aufeinanderliegende, sehr kleine Blattorgane. Bis zu vier Zentimeter groß sind die rötlich-braunen Knospen der Rosskastanie, während die Eiche über orange-braune, eiförmige und zugespitzte Knospen verfügt, die am Zweigende oft gehäuft auftreten. Während die Knospen der Esche mattschwarz sind, sind die Knospen des Bergahorns oder etwa der Fichte fast grasgrün. Beide sind im Durchmesser größer, als der sie tragende Trieb. Die Knospen der Buche, der häufigsten Laubbaumart Thüringens, sind lanzettartig zugespitzt und rötlichbraun. Viele, aber nicht alle Knospen sind übrigens essbar und oft überraschend schmackhaft: süßlich, nussig, beerig – jeder Baum und Strauch schmeckt anders. Nur wenige sind giftig, wie die Knospen der Eibe. Die Knospen der häufigsten heimischen Baumarten wie Buche, Linde, Birke, Pappel oder des Ahorns sind dagegen gut bekömmlich. Bei Kostproben gilt das alte deutsche Sprichwort: „Äpfel sammelt man in Kübeln, Kräuter im Korb, Knospen im Fingerhut“.

Gleiche unter Gleichen: Die Terminalknospe

Jede Knospe wird vom Baum mit vielen Nährstoffen versorgt. Speziell die oberste Knospe am Leittrieb, die sog. Terminalknospe, ist besonders gehaltvoll an Harzen, ätherischen Ölen, Vitaminen und Mineralstoffen. Weshalb Knospen oft eine wundheilende, entzündungshemmende und entgiftende Wirkung haben und medizinisch verwendet werden. Die so privilegierte Knospe am Leittrieb stellt das Längenwachstum und damit das Überleben des jungen Baumes vor der Konkurrenzvegetation sicher. Verliert der Baum gar die Terminalknospe z. B. durch Schalenwild-Verbiss, ist der entstehende Schaden vielfach größer als der Verlust einer Seitenknospe. Oft braucht der Baum Jahre, um einen neuen Terminaltrieb zu bilden. Dies zeigt, wie wichtig spezielle Knospen für das (Über-)Leben der Pflanze ist. Aber auch harte Früh- und Spätfröste können zu Schäden an Knospe und Spross heimischer Bäume führen.

Text: ThüringenForst; Foto: Georg Weber